Die Ragdoll Katze

Wie sehr ein Name verwirren kann beweist das Beispiel der so genannten Ragdoll Katze. Die Katze, die sich hinter dieser Rasse-Bezeichnung verbirgt, besitzt Eigenschaften, die der Übersetzung „Lumpenpuppe“ ebenso entsprechen wie sie ihr entgegenstehen. Der auffallend massive Körperbau und das halblange seidige Fell lassen sie wie ein zum Leben erwecktes Plüschtier wirken; zugleich ist die Ragdoll aber auch eine Katze von geschmeidiger Eleganz. Mehr über die gegensätzlichen Seiten dieses überaus kuscheligen Hausgenossen erfährst Du hier:

Nomen est omen

Ihren irreführenden Namen „Ragdoll“ hat die Katze von der Züchterin Ann Baker erhalten. Er gründet auf der Tatsache, dass die Muskulatur der Tiere beim Hochnehmen vollständig erschlafft – und sie daher wie aus Stoffresten oder Lumpen zusammengesetzt wirken. Ein Umstand, der Zeitgenossen von Ann Baker zu der Annahme verleitete, die Ragdoll sei eine Katze mit vermindertem oder gänzlich fehlendem Schmerzempfinden. Diese falsche Einschätzung konnten Wissenschaftler im Rahmen schonender Tierversuche widerlegen.

Eine Zucht mit besonderer Geschichte

Der erfolgreichen Verbreitung der Rasse stand damit nichts mehr im Weg. Aus einem Kitten ihrer angora-ähnlichen Nachbarkatze Josephine züchtete Ann Baker die Vorläufer der heute bekannten Ragdoll. Noch bevor diese als Katze mit eigenen Rasse-Merkmalen anerkannt wurde, ließ sich die geschäftstüchtige Tierfreundin den englischen Begriff „Lumpenpuppe“ patentieren. Darüber hinaus erließ sie so strenge Zuchtauflagen und Lizenzgebühren, dass die Ragdoll beinahe als Katze mit absolutem Seltenheitswert in die Geschichte eingegangen wäre.

Original und Fälschung

Zur Freude vieler Anhänger der kuscheligen Tiere haben sich die Wege von Ann Baker und anderer an der Zucht beteiligter Familien getrennt. Die „Fédération Internationale Féline“ (FIFé) erkannte auch die später entstandenen Farb- und Zeichnungs-Varianten der Ragdoll als Ausführungsform an. Die Katze darf seitdem eine Bicolour-, Colourpoint- oder Mitted-Musterung sowie die Farb-Nuancen Red, Flame und Cream aufweisen. Fans der ursprünglichen Tiere bzw. der von Ann Baker begonnenen Zucht akzeptieren bis heute ausschließlich die Original-Ragdoll. Eine so bezeichnete Katze ist niemals anders als seal, blue, chocolate oder lilac gefärbt – und hat stets leuchtend blaue Augen.

Die Riesin unter den Kleinkatzen

Unabhängig davon zeigen alle Tiere der Rasse den gleichen imposanten Körperbau. Männliche Exemplare können eine Länge von bis zu einem Meter, ein Gewicht von rund neun Kilogramm und etwa 40 Zentimeter Schulterhöhe erreichen. In Verbindung mit der mächtigen Halskrause, dem langen buschigen Schwanz und den großen runden Pfoten wirken diese Maße noch beeindruckender. Dadurch, dass die Hinterbeine etwas länger sind als die Vorderläufe ist die Ragdoll eine Katze mit nach vorn geneigter Rückenlinie, welche in einem keilförmigen Kopf mit leicht gebogener Nase, weit auseinander stehenden Ohren und großen ovalen Augen endet.

Überwiegend pflegeleicht

Aufgrund ihres dichten weichen Fells, das je nach Körperpartie aus kurzen, mittellangen oder langen Haaren besteht, gilt die Ragdoll als Katze mit gewissem Pflegeaufwand. Besonders während des zweimal jährlich stattfindenden Fellwechsels muss sie regelmäßig gebürstet werden. Entgegen ihrer äußeren Erscheinung neigt die Ragdoll jedoch weniger als eine übliche Katze mit Langhaar zum Verfilzen. Außerhalb der Haarwechsel-Perioden genügen daher schon wenige Pflege-Einheiten und ausgewogene Ernährung, um die Schönheit und den Glanz des Fells zu erhalten.

Umsichtig und spielfreudig

Ebenso genügsam sind die Tiere in Bezug auf Beschäftigung. Sie gehören zu den eher ruhigen Vertretern ihrer Art und besitzen ein ausgeglichenes freundliches Wesen. Dennoch ist die Ragdoll eine Katze, die sich gern zu Spielen animieren lässt und dabei ihre Späße treibt. Besonders Kindern gegenüber gilt sie als aufgeschlossen. Darüber hinaus genießt sie den Ruf, ausgesprochen vorsichtig zu agieren. Selbst beim wilden Toben erweist sich die kompakte Ragdoll als Katze von größter Eleganz und Geschmeidigkeit.

Im Bedarfsfall laut

Mehr als regelmäßigen Auslauf schätzt sie Gesellschaft – ganz gleich ob die eines Artgenossen oder eines Menschen. Zu lange oder zu häufig alleingelassen kann selbst die sonst nur verhalten mauzende Ragdoll zur Katze mit durchdringender Stimme mutieren. Manche Besitzer vergleichen ihr entnervtes oder forderndes Rufen gar mit dem Krächzen einer Krähe oder dem Ertönen einer Schiffs-Sirene.

Hauptsächlich gesund

Ihrem Körperbau entsprechend gilt die Ragdoll als Katze, die robust und wenig krankheitsanfällig ist. Eine weit verbreitete Gefahr besteht jedoch durch hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) – einer genetisch bedingten Verdickung des Herzmuskels, durch die es zur Vergrößerung der linken Herzkammer kommt. Um herauszufinden, ob Deine Ragdoll eine Veranlagung hat, an der stets tödlich verlaufenden HCM zu erkranken, empfiehlt sich ein speziell für diese Rasse entwickelter Gentest.

Die Ragdoll – eine Katze unter Rekordverdacht

Wie sehr die viel zitierte Ähnlichkeit mit einem kuscheligen Plüschtier auf die Ragdoll zutrifft, beweist ein Foto im „Guinessbuch der Rekorde“. Der darauf abgebildete Kater „Ragtime Bartholomew“ galt lange Zeit als größte Hauskatze der Welt. Dieser Rang wurde ihm erst ab 2010 streitig gemacht. Nunmehriger Rekordhalter ist der inzwischen verstorbene 1,24 m messende Main-Coon-Vertreter „Mymains Stewart Gilligan“.

Hier gibt es bisher noch keine Kommentare.

Hinterlasse einen Kommentar