Seniorenkatzen

Wenn Katzen alt werden – Seniorenkatzen

Gemäß einer weit verbreiteten Redensart verfügen Katzen über sage und schreibe sieben Leben. Diese Behauptung spielt jedoch nicht darauf an, dass die Tiere überdurchschnittlich alt werden; sie umschreibt vielmehr deren Vermögen, gefährlichen Situationen unbeschadet zu entkommen und dadurch scheinbar endlos zu leben. Welches Alter eine Katze tatsächlich erreicht, hängt neben den Haltungsbedingungen und ihrem Gesundheitszustand auch von der Pflege ab, die Besitzer ihr in den letzten Jahren angedeihen lassen…

In (un-)günstigen Umständen

Den größten Einfluss auf die Lebensdauer von Katzen haben die Umstände, unter denen sie aufwachsen und gehalten werden. Wie die Ergebnisse einer schwedischen Studie aus den 1980-er Jahren belegen, erreichen vollkommen frei lebende Tiere ein Alter von maximal vier Jahren. Unter menschlicher Fürsorge erhöht sich die Lebenserwartung um ein Vielfaches; unterscheidet sich aber weiterhin deutlich zwischen den so genannten Freigängern und Katzen, die ausschließlich in der Wohnung gehalten werden. Während das durchschnittliche Alter von Tieren mit Auslauf auf rund sechs Jahre begrenzt ist, werden reine Stubentiger etwa 15 Jahre alt. In seltenen Einzelfällen bringen es häusliche Katzen sogar auf rekordverdächtige zweieinhalb Jahrzehnte.

Als Hauptursache für die großen Unterschiede beim höchstmöglichen Alter gelten die Gefahren, denen freilaufende Tiere ausgesetzt sind: neben Unfällen mit motorisierten Fahrzeugen führen ungeeignetes Futter, Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Katzen oder Beutetieren sowie Quetsch-, Riss- und Schnittwunden häufig zu lebensbedrohlichen bis tödlichen Verletzungen. Dem gegenüber erreichen Tiere mit sicherem Schlafplatz, regelmäßiger tierärztlicher Versorgung und ausgesuchten Futtergaben ein deutlich höheres Alter.

Kurze Jugend, langes Alter

Seniorenkatzen

Eine sechsjährige Katze entspricht vom Alter her einem 40-jährigem Mensch.

Doch auch vom Menschen betreute Katzen unterliegen natürlich einem Alterungsprozess. Dabei fällt auf, dass sie schnell erwachsen werden, sich nur relativ kurze Zeit in der „Blüte des Lebens“ befinden und auffallend lange altern. Kitten durchlaufen die der menschlichen Entwicklung entsprechende Säuglings-, Kleinkind-, Schul- und Pubertätsphase in rund einem Jahr und sind danach vollständig ausgewachsen. Im Alter von bis zu 24 Monaten ist jeder Lebensmonat einem Menschenjahr gleichzusetzen, so dass Katzen bereits im zweiten Jahr „Twens“ werden. Danach reifen sie im Verhältnis 1:4 und erreichen auf diese Weise mit etwa zwölf Jahren das menschliche Renten-Alter.

Erste Alterserscheinungen

Bis zu diesem Zeitpunkt haben aufmerksame Tierhalter häufig schon auffallende Verhaltensänderungen bemerkt, denn die meisten Katzen zeigen bereits mit etwa acht Jahren erste Anzeichen für den Übergang ins Seniorenstadium. So steigen mit fortschreitendem Alter das Schlaf- und Kontaktbedürfnis an; die Tiere legen zunehmend längere Ruhephasen ein und suchen dazu immer öfter die Nähe ihres Menschen. Bei der Wahl ihres Schlafplatzes beweisen sie katzen-typischen Sinn für Gemütlichkeit und wechseln an zugluftgeschützte, kuschlige Orte. Durch das Mehr an Schlaf lässt der Spiel- und Bewegungsdrang beinahe zwangsläufig nach. Da der Jagdinstinkt jedoch bis ins hohe Alter erhalten bleibt, reagieren Katzen nach wie vor auf Gesten, Geräusche und Gerüche aus ihrem Umfeld.

Nachlassende Sinnesleistungen

Dies können sie allerdings nur leisten, solange ihre Sinnesorgane noch intakt sind. Lassen die Sehkraft, das Gehör oder das Riechvermögen nach, orientieren sich Katzen vorübergehend mithilfe der noch funktionierenden Sinne. Auf diese Weise können im Alter auftretende Schwerhörig- oder Schwersichtigkeit selbst von den Haltern eine Weile unbemerkt bleiben; mitunter fallen diese Defizite erst durch zunehmend lauter werdendes Mauzen oder die Fixierung auf beleuchtete Objekte auf.
Ein damit in engem Zusammenhang stehendes Phänomen sind Ortsgebundenheit und Gewöhnung, die betagte Katzen zu regelrechten Sturköpfen werden lassen. Während sie sich in jüngeren Jahren an umgestellte Möbel oder einen Revierwechsel noch gewöhnen, reagieren sie im Alter auf Veränderungen häufig ausgesprochen störrisch. Im Extremfall halten die Tiere einmal angewandte Verweigerungstaktiken oder Protest-Schreie so lange durch, bis ihre Besitzer die frühere Ordnung wiederherstellen. Wer sich und seiner Katze solchen Stress ersparen möchte, verzichtet im Alter soweit wie möglich auf größere Veränderungen und sorgt dafür, dass Fütterungszeiten oder der Standort des Schlafplatzes beibehalten werden.

Nachlassende Beweglichkeit

Ein weiteres Problem bereitet es Katzen, sich im Alter nicht mehr wie gewohnt bewegen zu können. Durch nachlassende Sprungkraft und Gelenkigkeit werden Lieblingsplätze unerreichbar und zwingen sie so, sich Alternativen zu suchen – die im ungünstigsten Falle wiederum ihr Wohlbefinden und ihr Sicherheitsbedürfnis einschränken. Damit auch ältere Katzen Zugang zu ihrer bisherigen Schlafstätte, ihrer üblichen Kratzstelle oder ihrem gewohnten Futterplatz finden, sollten mitfühlende Tierhalter rechtzeitig für Unterstützung sorgen. So können ein zusätzlicher Schemel den Aufsprung auf die Fensterbank erleichtern oder ein versetztes Kratzbrett den vom Alter etwas steifen Pfoten entgegenkommen. Katzen, die sich nicht mehr weit genug über Futternäpfe und Trinkschalen beugen können, helfen umgedrehte Schüsseln oder Tabletts, um wieder auf „Arbeitshöhe“ zu kommen.

Nachlassendes Nahrungsbedürfnis

Lassen Katzen trotz dieser Hilfsmaßnahmen Probleme bei der Nahrungsaufnahme erkennen, können Zahn- und Zahnfleischbeschwerden dafür verantwortlich sein. Wie beim Menschen lassen im Alter Beißkraft, Haltbarkeit und Speichelfluss nach, so dass das Gebiss lückenhaft werden oder Zahnstein ansetzen kann. Um eventuellen Schmerzen und Folgeerkrankungen vorzubeugen, muss die Maulhöhle regelmäßig untersucht und ggf. gereinigt werden. Bei teilweise oder gänzlich fehlenden Zähnen sollte die Ernährung auf eine dem Alter und den Bedürfnissen der Katze entsprechende Kost umgestellt werden.
Kommt es trotz ausgewähltem und sorgfältig zusammengestelltem Futter zur Nahrungsverweigerung, helfen oft nur Geduld und gutes Zureden. Ähnlich wie ältere Menschen haben auch betagte Katzen oft einfach keinen Appetit oder vergessen schlicht, zu fressen. Im Alter sollten die Tiere daher mehrmals täglich kleine Portionen angeboten bekommen und vor allem stets ausreichend trinken.

Nachlassende Sauberkeit

Geht das, was die Katze frisst, trotz sauber gehaltener Toilette daneben, ist auch das ein typisches Altersphänomen. Mögliche Gründe hierfür sind, dass die Tiere den Weg nicht oder nicht schnell genug finden, sich versehentlich neben die Schale setzen oder aufgrund nachlassender Beweglichkeit deren Rand nicht übersteigen können. Gerade bei Katzen, die ein gewisses Alter erreicht haben, sollten Besitzer nachsichtig reagieren und unterstützende Alternativen wie zusätzliche Toiletten oder Exemplare mit flacherem Einstieg anbieten.
Auch bei der Fellpflege benötigen ältere Katzen menschliche Hilfe. Da sie sich häufig nur noch bedingt bewegen können und daher nicht mehr alle Körperstellen erreichen, bilden sich mitunter Verfilzungen oder Fettflecke in den Haaren. Hier helfen ein feuchter Waschlappen, spezielles Pflege-Puder und vorsichtiges Bürsten bzw. Kämmen.
Das Zusammenleben mit alternden oder bereits gealterten Katzen gleicht in erstaunlich vielen Punkten den Anforderungen, die die Pflege älterer Menschen mit sich bringt. Und genau wie diese benötigen die Tiere vor allem Zuwendung und Aufmerksamkeit. Katzenbesitzer, die ihrem treuen Begleiter das Alter so angenehm wie möglich machen möchten, berücksichtigen dessen individuelle Bedürfnisse und passen seine Umgebung weitgehend an die geänderten Umstände an.

Bildquelle 1: © Henrik Winther Ander / Fotolia.com #17274932
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